Die bewegte Geschichte von Lonsdale: Sport, Subkultur, Mode, Musik und Politik

1960 gründete der englische Boxer Bernhard Hart Lonsdale. Es ging zunächst nur um Boxsportausrüstung. Dabei sollte es nicht bleiben. Die Marke mit dem berühmen Cinemascope-Logo trat eine bewegte Reise durch die Subkulturen an, bis sie zu dem wurde, was sie heute ist. Mehr zur Geschichte von Lonsdale in den folgenden sechs Kapiteln.

Der Earl of Lonsdale ist der Namensgeber der Marke Lonsdale

Der Earl of Lonsdale ist der Namensgeber der Marke Lonsdale.

Die Geschichte der Marke Lonsdale beginnt 1959 in London. Der damals 22jährige Bernhard Hart – selbst Boxer im Weltergewicht – hatte seit längerer Zeit die Idee, eine eigene Boxsportmarke zu gründen. Seine ganzen Erfahrungen aus Training und Wettkämpfen sollten hier einfließen.

Muhammad Ali trug Lonsdale im Ring

Muhammad Ali, größter Boxer aller Zeiten, trug Lonsdale im Ring.

Mit der Eröffnung des kleinen Ladens 1960 in Soho war ein großer Schritt getan. Von nun an ging es bergauf. Im Mittelpunkt standen zunächst Boxsportartikel: Boxhandschuhe, Sandsackhandschuhe, Springseile, Boxstiefel und Kopfschützer.

Laurel Aitken

Der Ursprung der Skinheads war durch karibische Migranten mitgeprägt. Das Bild zeigt Laurel Aitken, der sich selbst stets als »Black Skinhead« bezeichnete. (Foto: Wikipedia)

In den Trainingshallen und Boxringen war Lonsdale im Laufe der 1960er Jahre zu einem gewohnten Anblick geworden, als zu Beginn der 1970er Jahre etwas Überraschendes passierte: Die Marke mit dem einprägsamen Cinemascope-Logo fand den Weg in die Clubs.

Lonsdale: NSDA unter offener Jacke

Ein Gerücht: Irgendwann hieß es, die Nazis seien auf Lonsdale gekommen, weil sie mit den zufällig im Markennamen enthaltenen Buchstaben »NSDA« auf die »NSDAP« anspielen wollten.

Die 1980er Jahre waren in England eine schwierige Zeit. Die Angst der Menschen vor wirtschaftlicher Not bot rechten Bewegungen ein passendes Agitationsfeld. Als Teil der unter Druck stehenden Arbeiterklasse zeigten sich einige Skinheads für rechte Parolen durchaus empfänglich.

Lonsdale Loves all Colours

Mit der Kampagne »Lonsdale Loves all Colours« stellte Lonsdale bunte Vielfalt gegen braunen Hass.

Klar war: Es konnte so nicht weitergehen. Eine Marke, die ein Mensch wie Muhammad Ali getragen hatte, durfte nicht zum Erkennungszeichen von Faschisten werden. Eine Marke, die  im subkulturellen Miteinander von Schwarz und Weiß bekannt wurde, sollte nicht zum Symbol für Rassismus werden.

Lonsdale für einen Fußball ohne Rassismus

Auch wenn das Naziproblem der Marke Vergangenheit ist: Die klare Haltung ist bei Lonsdale geblieben. Beim SV Babelsberg ist das auf der Bande im Stadion nachzulesen.

Der Widerstand gegen die Vereinnahmungsversuche von Nazis war nicht nur im Ergebnis erfolgreich, sondern hat sich so tief in das Selbstverständnis der Marke eingebrannt, dass eine Haltung gegen Rassismus und Rechtsextremismus ein Teil von Lonsdale geblieben ist.